Kletterblog & Berggeschichten
Zugspitze (2962m) via Höllental-Klettersteig (B/C)
Zugspitze (2962m) via Höllental-Klettersteig (B/C)

Zugspitze (2962m) via Höllental-Klettersteig (B/C)

Literatur: Rother Klettersteigführer Klettersteige Bayern – Vorarlberg – Tirol – Salzburg*

Seufz

Das Höllental. Lange habe ich mich relativ erfolgreich gedrückt. Fünfmal war ich auf der Zugspitze ohne die vermeintliche Kingline des höchsten Berges Deutschlands gemacht zu haben. Wenn es nach mir ginge, hätte das auch gerne so bleiben können. Und auch nach dieser Tour war ich weitere Male auf der Zugspitze – ohne das dringende Bedürfnis zu haben, erneut über das Höllental aufzusteigen. Es ist gewiss an der einen oder anderen Ecke höllisch schön. Vor allem aber ist es aber höllisch voll.

Ich habe gerade Corona überlebt, welches ich mir auf der Alpenüberquerung eingefangen habe und der Test ist erstmalig wieder negativ. In einem Fiebertraum ist mir eine schwebende Gams erschienen und hat mit prophezeit, dass ich einmal im Leben durch’s Höllental muss.

Und wenn die schwebende Gams das verlangt, dann soll es geschehen.

Fairerweise bestand der Plan mit Jelle durch’s Höllental auf die Zugspitze zu gehen schon lange vor der Existenz von Corona, Fieberträumen und schwebenden Gamsböcken und ich bin froh auf den Tag genau wieder fit zu sein. Zumindest auf dem Papier. Im Gelände erprobt habe ich das natürlich nicht. So kommt es mir aber einigermaßen gelegen, dass wir uns für die extrazahme Variante mit Übernachtung auf der Höllentalangerhütte entschieden haben. Man spart sich damit zwar weder nennenswert Zeit, Strecke oder Höhenmeter aber kann schonmal etwas Bergluft schnuppern und sich am nächsten Morgen extrafrüh an die Spitze der täglichen Karawane setzen.

Mit Jelle war ich bereits im Vorjahr auf der Zugspitze und habe einen traumhaften und einsamen Sonnenaufgang auf dem Dach Deutschlands abgeräumt während sich in der Ferne bereits große Sommergewitter auftürmten und besagte Karawane noch beim Frühstück auf der Hütte saß. Das hat zwar Wiederholungsbedarf – wird sich heute aber wahrscheinlich nicht ausgehen. Wir planen, dass wir bei Tageslicht am Gletscher sind und damit an der Stelle des Anstiegs, an dem ich gerne etwas sehen würde.

Ein Jahr zuvor – einsamer Sonnenaufgang am Gipfel der Zugspitze. Ein geschlossenes Münchner Haus macht’s möglich.

Aufstieg zur Höllentalangerhütte

Wir folgen dem beschilderten Weg durch die trotz Gewitter gut besuchte Höllentalklamm zur Hütte, in der wir die Nacht verbringen. Schick ist sie schon geworden und in der Form wie sich der „Ersatzbau“ seit 2015 den Bergsteigern und Tagesgästen präsentiert dürfte sie eine der modernsten Hütten in Bayern sein. Ein gewisser Verlust von Charme ist da vorprogrammiert – dieser wird uns aber ohnehin über die ganze Tour hinweg verfolgen. Unseren Wecker stellen wir wie immer gnadenlos früh und viel früher als es den meisten Hüttenbesuchern in den Sinn käme.

Um einen kurzen und eventuell etwas schnippischen Exkurs in die Tourenplanung, Strategie und Realität vieler Hütten zu wagen: Frühstück gibt es nach meiner Information ab 5:30. Zur Zeit unserer Begehung geht die Sonne um 5:44 auf, also ganze 15 Minuten später. Selbst bei Wahl der frühstmöglichen Frühstückszeit hat man an einem normalen Wochenende verloren – bei Aufbruch ist es bereit taghell und die nicht zu vernachlässigende Masse an Bergsteigern, die das Höllental als Tagestour von Hammersbach gehen ist bereits seit einigen Stunden an der Hütte vorbeigezogen.

Im Glauben ein besonders früher Vogel zu sein wird man wahrscheinlich schon am Brett – allerspätestens an der Randkluft aber – sein blaues Wunder erleben. Die Bilder der dort entstehenden Staus sind bereits zu genüge viral gegangen und kein wirkliches Geheimnis. Stundenlang auf dem Gletscher zu warten ist bestimmt nicht das, was man als gelungenen Bergtag beschreiben würde. Die Lust, diese Tour ins Tourenbuch schreiben zu können muss schon sehr groß sein um über den objektiven Wahnsinn einer derartigen Modetour hinwegzusehen.

Höllentalsteig

Diese Tatsachen berücksichtigend verlassen wir um 3:00 still und heimlich die Hütte und sind damit tatsächlich die Ersten, die sich heute in Richtung Höllentalferner aufmachen. Sobald wir einige Höhenmeter am Höllentalsteig gemacht haben sehen wir aber auch schon die funkelnde Lichterkette am Ende der Höllentalklamm. Um 4:00 sind die meisten anonymen Stirnlampen am orangenen Schein der Hütte vorbeigezogen – bis zum Frühstück sind es weitere 1:30h. Naja. Ihr macht das schon.

Sofern man nicht auf den Steig in Richtung Riffelscharte abbiegt – was falsch ist – kann man sich nicht mehr großartig verlaufen. Der Steig führt auf der rechten Talseite erst gemächlich, dann immer steiler werdend an die erste Passage heran, die wie für Helmkameras, Drohnen und Actionkameras geschaffen ist. Zum Glück ist es stockfinster und still. Nur das Wasser des Hammersbaches stürzt irgendwo neben uns in die Tiefe.

Brett (A/B)

Das Brett ist eine recht ausgesetzte Plattenquerung, die mit Stahlseil und Tritteisen entschärft ist. Ansonsten wäre das abschüssige und von scharfen Wasserrillen durchzogene Kalkschild wohl nur mit entsprechender Klettererfahrung und Seilsicherung zu überwinden. Zum Glück muss es soweit nicht kommen – wer schwindelfrei ist schwebt hier wie in einem Kletterwald von Baum zu Baum und steht (keinen Stau vorausgesetzt) rasch am anderen Ufer. Wir bekommen vom Brett nur wenig mit und können dessen Beginn und Ende nur am Vorhandensein von Tritthilfen fest machen. Wirklich weit sehen tun wir nicht.

Viel interessanter ist der kleine, unversicherte Aufschwung, der nun in den oberen Teil des Höllentals hinaufzieht. Es wird nur der 1. Schwierigkeitsgrad verlangt – den Fels anfassen und selbst nach Strukturen suchen macht aber viel mehr Spaß! Und so ist mir diese Passage, die bei Tageslicht wahrscheinlich mangels Tiefblick ziemlich untergeht im Dunkeln als viel interessanter und schöner in Erinnerung geblieben.

Grüner Buckel und Höllentalkar

Besagte Dunkelheit verabschiedet sich, als wir zum Grünen Buckel aussteigen und eine kurze Rast machen. Am Horizont kündigt ein blutroter Streifen einen wunderschönen Sonnenaufgang an.

Der weitere Weg führt uns unter der absolut senkrechten Wand des Riffelkopfes vorbei und dann – weniger mühsam als befürchtet – leicht ansteigend ins Geröll des Höllentalkars. Hier gibt es mehrere, unterschiedlich „hohe“ Spuren, denen man folgen könnte. Hat man seine Hausaufgaben gemacht, so weiß man, was die aktuelle Empfehlung für den Anmarsch zum Ferner ist. Diese variiert nämlich von Jahr zu Jahr und bewegt sich je nach Eissituation, Schneelage und Steinschlag stets so, dass die jeweiligen Problemzonen bestmöglich umgangen werden. Das Höllental ist wohl die Bergtour in Deutschland mit der engmaschigsten Überwachung, was exakte Bedingungen angeht – in der üblichen Saison findet man nur ganz selten ein Fenster, in dem die Verhältnisse nicht mit ausreichender Aktualität beschrieben sind.

Wir halten uns auf der oberen Spur, die im Jahr 2022 noch recht üblich ist. Spannend ist es nur, hier nicht ohne Steigeisen über den Punkt hinauszulaufen, an dem unter der Schotterauflage nur mehr blankes Eis lauert. Inzwischen (2025) wird vermehrt an einem Stein mit roter Markierung zum Talboden abgestiegen und die Gletscherzunge dort erreicht – der Grund dafür ist zunehmender Steinschlag aus den Ostflanken. Auch diese Information hat man idealerweise eingeholt bevor man vor Ort steht.

Höllentalferner (30°)

Know your sh**t 🙂

Wir erreichen den Gletscher mit einem brutal farbintensiven Sonnenaufgang. Die Wände der Zugspitze flimmern in feinsten Rot- und Pastelltönen. Die ohnehin oft goldgelben, morschen Wände gleichen einem Farbenmeer. Eine ruhige und andächtige Stimmung liegt über dem Höllental – mit uns ist nur eine 3er-Gruppe am Fuße des Gletschers, die während unserer Rast am Grünen Buckel zu uns aufgerückt ist.

Glühender Sonnenaufgang kurz vor dem Höllentalferner

Einigkeit besteht über das Anlegen der Steigeisen. Der Gletscher ist im unteren, steilen Teil komplett blank – seine Neigung wird gerne unterschätzt. Ungläubige Blicke kassieren wir nur, als wir das Seil auspacken. Und ja – im unteren Teil bräuchten wir es definitiv nicht. Oben raus hat es dagegen schon ein paar Spalten und Brücken, die die Spur zum Klettersteig kreuzen und sich zu dieser Jahreszeit genau am Rande ihrer Existenz bewegen. Mit der Verantwortung, die ich heute trage ist mir das lieber.

Auch das ist keine grundsätzliche Empfehlung. Der Gletscher wandelt sich im Jahr und kann je nach Schneelage, Jahreszeit und Witterung der letzten Wochen sehr unterschiedliche Anforderungen stellen. Anders als auf „richtigen“ Hochtouren, wo die Einschätzung der Verhältnisse auf eigenen Erfahrungen basieren muss, bekommt man hier im Web das meiste auf dem Silbertablett serviert. Was das Höllental dann aber doch einer richtigen Hochtour ähneln lässt ist das ernste Gelände. Der Höllentalferner – so klein er inzwischen erscheinen mag – hat neben der berüchtigten Randkluft auch noch ein paar weitere, richtige Spalten. Die oft üppige Spur wird bemüht sein, diese zu vermeiden – ein Restrisiko bleibt, wie Unfälle in der Vergangenheit belegen. Wenn der Gletscher aper ist, präsentiert er sich als recht steiles und oft mit Geröll bedecktes Stückchen Eis, welches ein bisschen Erfahrung erfordert und definitiv kein Übungsgelände für’s erste Mal auf Steigeisen ist. Nicht ohne Grund ist die Höllentalangerhütte kein etablierter Ausgangspunkt für Hochtourenkurse – Schulungsgelände sucht man vergebens.

Anseilen am Höllentalferner – oben sind einige Spalten überdeckt
Randkluft

Nach ein paar Serpentinen über den steilen Gletscher erreichen wir die schneebedeckte Querung hinüber zur Randkluft. Diese ist heuer noch in sehr dankbarem Zustand – kein Abklettern, kein Rüberschwingen – einfach ein Spreizschritt hinüber an das Stahlseil. Um den sicheren Stand im knallharten Firn für besagten Spreizschritt aufrecht zu erhalten kraxeln wir die ersten Meter im Klettersteig noch mit Steigeisen an den Füßen. Bei Erreichen des Bandes – der Steig zieht hier markant nach rechts weg – legen wir sie ab.

Ohne Stau sind solche Manöver natürlich leicht möglich. Freiheit. Mit 100 wartenden und potentiell gestressten Bergsteigern im Nacken muss hier wahrscheinlich ein bisschen achtsamer geplant werden um niemanden in der „Schlüsselstelle“ des Klettersteiges zu Blockieren.

Höllental-Klettersteig (B/C)

Der kurze, steile Aufschwung geht schnell von der Hand. Der Steig zweigt nach rechts ab und entlässt uns nochmal kurz in unversichertes und halbwegs exponiertes Gelände. Die kurze Rampe ist zwar nicht schwer, gleichzeitig aber die letzte längere Passage auf dem Weg zur Zugspitze, die nicht mit einem durchgehenden Stahlseil abgesichert ist und entsprechend sorgfältig angegangen werden will.

Randkluft für uns alleine – eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit

Wenig später begleitet uns das Klimpern und Surren der Klettersteigsets durch die Wand. Mit dem Schwenk zurück in Richtung Zugspitze beginnen die Stahlseile. Der weitere Verlauf des Klettersteigs ist eine ausgiebige und homogen ansteigende Querung hinauf zum höchsten Punkt Deutschlands.

Auch hier ist es ein unglaubliches Privileg, dass wir den Klettersteig heute für uns alleine haben. Wir können unser Tempo gehen und gleichzeitig auch mal innehalten und die tolle Landschaft genießen. Beeindruckend ist der Tiefblick auf den Höllentalferner, welcher vor allem in seinem oberen Drittel wirklich ein paar zerrissene Spalten zeigt. Faszinierend ist heute auch das wechselnde Licht und die Bildung kleiner Wolken und Überentwicklungen an besonders sonnenexponierten Wänden. Später soll es gewittern – leicht zu Glauben.

Wir wurschteln uns weiter hinauf. Richtig viel passiert auf dem Weg zur Irmerscharte nicht mehr. Da man stets unterhalb der Gratschneide bleibt, eröffnet sich der begehrte Blick auf den Eibsee erst kurz unter dem Gipfel. Der Klettersteig überwindet 500 Höhenmeter ab dem Höllentalferner. Eigentlich gar nicht so viel. Mit den vorherigen Höhenmetern in den Beinen und in meinem Fall auch noch dem zarten Hauch Covid in der Lunge zieht’s sich auf den letzten Metern aber doch noch ein bisschen.

Wilde, kleine Wolkentürme schmücken den Jubiläumsgrat

Als wir die Irmerscharte – einen kleinen Einschnitt im Grat – erreichen, staunen wir über die neugewonnenen Blicke. Unter uns die Nordwand, durch deren seitliche Wandfluch die beliebte Eisenzeit führt. Dahinter der herrlich blaue Eibsee. An den Riffelspitzen steigen inzwischen dichtere Wolken empor und auch der Jubiläumsgrat schmückt sich mit dramatischen Schleiern und Fetzen.

Wenige Kurven später ist das Gipfelkreuz der Zugspitze erreicht, welches bereits von der anderen Seite belagert wird. Das spürt man auch am markanten Steinschlag, welcher hier oft sehr sorglos in die oberen Serpentinen des Höllental-Klettersteigs getragen werden. Ein Helm macht bis zum Schluss Sinn. Wir machen den obligatorischen Schwenk zum Kreuz, warten brav auf eine Lücke um zur Plattform abzusteigen und checken erstmal auf einen Kaffee auf der Sonnenterasse ein. Infrastruktur nutzen.

Zugspitze und Abfahrt

À propos Infrastruktur. Ich bin bisher immer recht akribisch abgestiegen. Etwa 2x durch das von oben kommend elendig lange Reintal und einige Male über das Gatterl nach Ehrwald. Da das Wetter aber zunehmend zornig wirkt und ich wirklich noch nicht ganz so fit bin entscheiden wir uns heute für den komfortablen Abstieg mit der Gondel zum Eibsee. Als wir eine Stunde später für eine kurze Abkühlung in diesen springen stürmt und graupelt es bereits. Fast alles richtig gemacht. Nur ein Handtuch wäre für diese impulsive Idee ganz bärig gewesen. Aber man kann ja auch nicht an Alles denken.

Hey und was mir noch mega wichtig wäre: Ich will hier gar nicht undankbar oder grummelig sein. Wir hatten einen sehr feinen Tag, einen traumhaften Sonnenaufgang, eine unwahrscheinlich leere Tour und tolle Wolkenspiele. Aber das hier ist und bleibt mein persönlicher Blog und ich muss für mich persönlich feststellen, dass die Tour durch’s Höllental eine von denen ist, an die ich so gut wie nie zurückdenke. Ich kann nichtmal genau sagen woran das liegt. Ich glaube aber, dass es ein bisschen mit der „Konsumierbarkeit“ zu tun hat. Denn der Anteil eines für mich wahrgenommen Konsums fällt hier überdurchschnittlich hoch aus. Das beginnt schon bei den präzisen und aktuellen Informationen, die das Vorhaben bereits in der Planung ein wenig entzaubern und eingrenzen. Das ist richtig und wichtig – sagt zwischen den Zeilen aber schon extrem viel über den Nimbus der Tour und die Eigenständigkeit ihrer Aspiranten aus. Auch hier – keine pauschale Unterstellung. Wir selbst haben die Tour per Hüttenübernachtung entschärft, aus dem Tal heraus ist das eine absolut respektable Bergtour. Aber für den benachbarten Stopselzieher oder die Eisenzeit muss ich wie so ein Tier physisch in die Wand gucken um die oft hartnäckige Altschneelage abzuschätzen oder mir wirklich Mühe geben um Infos über eine Spur einzuholen. Es geht mir wirklich nur um die Nuancen.

Das Gefühl des wohlportionierten Abenteuer zieht sich fort. Eintritt, Geländer, Warnhinweise an Höllentalklamm – je nach Timing. Auch das ist richtig und wichtig. Aber auch das schlägt sich ein bisschen auf die Wahrnehmung der Tour nieder. Und dann…Stahlseile, präparierte Randkluft, mehr Stahlseile bis zum schonungslosen Trubel am Gipfelkreuz. Mich hat das Gefühl ehrlich überrascht. Denn ich mag die Zugspitze trotz all ihrer Makel. Ich habe schon wunderschöne Tage am Gatterl verbracht und jedes Mal wieder über die abwechslungsreiche Landschaft gestaunt. Hab den Stopselzieher zu sämtlichen Tages- und Nachtzeiten bespielt und mir den Jubiläumsgrat und die Eisenzeit angeguckt. Nie hat eine Tour auf diesen Berg mein Herz so wenig aufgefüllt.

Ich möchte niemanden entmutigen. Das Höllental polarisiert. Ein Raunen geht durch die Stuben von Wanderhütten, wenn der Name fällt. Aber vielleicht kann man vor, während und nach der Tour mal darüber nachdenken, was man eigentlich sucht und ob es das nicht vielleicht auch woanders gegeben hätte. Nicht in der Schlange an der Randkluft, die dann auf Instagram viral geht. Haben wir wirklich gefunden, was wir gesucht haben? Und was erzählen wir denen, die nicht dabei waren?

Der Klettersteig auf den höchsten Berg Deutschlands ist ein Abenteuer – und was für eines!

bergsteigen.com

[…] um dort an der höchsten Würstelbude Deutschlands den gewaltigen Tourentag mit Weißwurst und Bier würdevoll ausklingen zu lassen. Fazit: Imposante und sehr anspruchsvolle Klettersteigtour, die in keinem Tourenbuch fehlen darf.

bergsteigen.com

Der Klassiker unter den Routen auf die Zugspitze und eine der abwechs­lungs­reichsten und alpinsten Berg­touren in Deut­schland

lowa.com

Die anspruchsvollste Route zum Zugspitzgipfel.

zugspitz-region.de

Schwierigkeit, Versicherung und Material

Schöne Tour auf den höchsten Berg Deutschlands. Landschaftlich zwar recht imposant aber sehr eindimensional im Vergleich zu anderen Anstiegen. Ich führe sie hier als „Hochtour“ – wohlwissend, dass sich die meisten darunter etwas anderes vorstellen. Ich finde es passt trotzdem – die Zutaten sind gegeben und der Höllentalferner und seine Randkluft können sich mit miesem Timing als trickreicher entpuppen als klassische Anfängerhochtouren in Tirol.

Die Hauptschwierigkeiten konzentrieren sich um den Ferner herum. Im Einzelnen muss die Mitnahme von Seil, Grödeln, Steigeisen und Pickel den Verhältnissen entsprechend geplant und fundiert begründet werden – was ein bisschen Erfahrung mit dem Material und vergleichbaren Touren erfordert. Zum Glück wird uns dabei in ganz großem Stil geholfen. Ringsum ist es vor allem eine konditionell fordernde Runde mit einigen Höhenmetern, die sich aber überwiegend in leichtem Gelände abspielen. Der Klettersteig weist hinter der Randkluft keine sonderlich interessanten oder künstlich „schwierigen“ Kletterstellen auf und ist eine logische, brauchbar versicherte und eher langatmige Linie hinauf zum Gipfel der Zugspitze. Die Mitnahme eines Klettersteigsets und einer Rastschlinge ist obligat – unterschätzt wird oft auch die Gefahr durch überraschenden Steinschlag. Diesen gibt es vor allem im Bereich der Randkluft aus der darüber liegenden Rampe, an der Abseilstelle aus der Eisenzeit (deren Lage den meisten Höllental-Aspiranten unbekannt sein dürfte) und dann vom Gipfel in den Ausstieg des Steigs.

Zusammenfassung

Ganz persönlich gefällt mir jeder andere Anstieg auf die Zugspitze besser. Sucht man lange genug, findet man auch Tourenbeschreibungen, die einen etwas gesünderen Bezug zum Höllental herstellen: Bei allen negativen Punkten, die man als geübter Bergsteiger auf dieser Route in Kauf nehmen muss, handelt es sich trotzdem um eine höchst abwechslungsreiche dazu landschaftlich außerordentlich schöne Exkursion. Aber solche Touren muss es auch geben und wir sind frei zu entscheiden, ob wir sie begehen oder nicht und ob wir danach den Nimbus weiter beflügeln. Ich werde noch so oft auf der Zugspitze stehen. Das Höllental wird dabei keine große Rolle mehr spielen.

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