Kletterblog & Berggeschichten
Höllentorkopf (2150m) via Pfanzelt-Führe (VI)
Höllentorkopf (2150m) via Pfanzelt-Führe (VI)

Höllentorkopf (2150m) via Pfanzelt-Führe (VI)

Literatur: Panico Alpinkletterführer Wetterstein Nord*

Sonnenseite ohne Sonne

Eigentlich war das Wetter im Sommer 2026 fast schon zu gut – stets zum Leidwesen von Gletschern und Permafrostgrenzen. Kurz vor den markanten Hitzewellen gab es aber auch noch kleine Inseln mit Niederschlägen, die wir heuer mit überragender Treffsicherheit in steilen Wänden der nördlichen Kalkalpen erleben durften. So trieb uns ein anrollender Schauer aus der Langschläfer am Wampeter Schrofen und Hannah wurde wenig später in der Heimatliebe am Karkopf geduscht. Am Vortag der hier beschriebenen Tour erlebten wir die Miss Nesselwängle eher als Mist Nasseswändle.

So sind Rapha – ebenfalls Teil der aquatischen Dreierseilschaft des Vortages – und ich auf der Suche nach einer etwas kurzweiligeren, unverbindlichen und kompakten Kletterei im Wetterstein, die idealerweise sogar per Gondel erreichbar ist. Und auf der Sonnenseite soll sie liegen – in der Hoffnung dass die Nässe eine Chance kriegt Abzutrocknen. Wir landen rasch im Alpspitzgebiet – welches die meisten Kriterien erfüllt. Wäre da nicht das kleine Detail, dass hier fast alle Klettereien nach Norden ausgerichtet sind. Ausnahme von der Regel ist der Höllentorkopf, dessen übersichtliche Südwestwand gleich mehrere, kurze Alpinklettereien beherbergt:

Ein Plan ist geboren

Die Pfanzelt-Führe

Nur 165 Klettermeter misst die 1948 von der Seilschaft Pfanzelt / Pannholzer erstbegangene Führe durch den steilen und kompakten Wandabschnitt über dem Rinderschartensteig. Sie ist sanft saniert und scheint vor allem Platten und Schuppen zu überwinden – wir rechnen uns also halbwegs trockene Bedingungen aus. Zieht man den Vorbau ab, so bleiben noch 4 überraschend homogene Seillängen zwischen dem V. und VI. Grad übrig, ehe die Route auf einem Geröllabsatz ihr Ende findet. Hier besteht die Möglichkeit über den Westgrat den Gipfel des Höllentorkopfes zu überschreiten und aus dem Ausflug ein durchaus abwechslungsreiches und elegantes Halbtagesprogramm zu spannen.

Zustieg

Dass wir uns den vorhergesagten Sonnenschein abschminken können ahnen wir bereits in der Gondel. Die Zugspitze mag vielleicht über den Wolken liegen – der Rest des Wettersteingebirges hängt in hartnäckiger und dichter Restbewölkung. Dass wir uns den supersimplen Zustieg auch abschminken können dämmert uns erst ein wenig später. Nämlich dann, als wir inmitten der engen Serpentinen des Rinderschartensteiges gerade so die nächste Kurve erkennen.

Ein klärender Blick auf Wand oder Wandfuß ist uns nicht vergönnt. Beinahe wären wir zu weit abgestiegen. Wir besinnen uns aber in letzter Sekunde und verlassen den Steig an der Stelle, an der die rechterhand verlaufende Schotterrinne erstmals ein Stück vom Weg wegrückt und ein markanter, großer Boulder in besagter Rinne liegt. Das gleichen wir relativ erfolgreich mit einem mäßig aufgelösten Handy-Foto vom ohnehin schon mäßig aufgelösten Wandbild aus dem Panico-Führer ab. Trotz Suppe gelangen wir aber rasch wieder auf deutliche Pfadspuren, welche die steilen Wiesenhänge unter der Südwestwand queren.

Blindflug in der Rinderscharte

Der Nebelgott meint es gut mit uns und schenkt uns just in dem Moment, als wir über splittrigen Fels am Wandfuß weiter absteigen wollen einen kurzen Moment der Sicht, welcher genügt um festzustellen, dass wir unser Ziel bereits erreicht haben. Kurzum – dort wo die Wiese zum ersten Mal in eine Art Rinne abfällt und der Wandfuß ein gutes Stückchen in Richtung Höllental absinkt ist es schon zu weit gequert. Bei normalen Bedingungen dürfte es aber ohnehin nicht schwer sein den markanten, dreieckigen Vorbau anzupeilen.

Die Wand präsentiert sich in dem kurzen Lichtblick auch als halbwegs trocken – eine Wohltat nach dem gestrigen Schwimmflügel-Abenteuer in der Miss Nesselwängle. Gleichzeitig fällt auf: ganz schön steil und kompakt! Und da kommt man überwiegend im 5. Grad durch?

Draufsicht – der helle Vorbau, die gelbe Gufel und die darüber dunklere & kompakte Wand sind gut auszumachen. Mittendrin: die Pfanzelt-Führe.

Vorbau (III)

Motiviert starten wir in Zustiegsschlappen und seilfrei in den Vorbau, welcher im Führer mit III angegeben ist. Zu Beginn geht das auch ganz flüssig von der Hand – wir folgen einer „Beinahe-Pfadspur“ durch eine vage Rinne, welche von links in den Vorbau zieht. Oben raus stellt sich uns dann doch ein etwas plattig-feuchtes und im nebeligen Ambiente rustikal anmutendes Wändchen in den Weg, welches wir nach mehreren Anläufen nur mit Seil überwinden möchten.

Vorbau-Crux und Flowkiller am plattigen Aufschwung unter der Gufel

In einer freundlicheren Stimmung ginge das bestimmt auch gut ungesichert – ein kurzer, plattiger Aufschwung muss aber sauber und halbwegs exponiert angetreten werden bevor sich das Gelände zum ersten Standplatz hin wieder zurücklehnt. Wir gehen am Tag X lieber auf Nummer sicher und docken wenig später am Standplatz in der gelben Gufel an.

1. Seillänge (V+)

Weil Raphael die kurze Passage im Vorbau vorgestiegen ist, macht es nur Sinn, dass ich in der ersten Seillänge die Führung übernehme. Kurz Material getauscht und los geht’s – wobei auch hier der ganz große Eifer rasch auf die Probe gestellt wird. Vom Standplatz weg führt eine heute unangenehm nasse und kleinsplittrige Querung nach links in die eigentliche Wand. Dass sich hier nur ein alter Schlaghaken finden lässt verunsichert erstmal. Hat man die abdrängende Passage, welche fast an ein kurzes Kriechband erinnert, erstmal überwunden darf man auf einem gemütlicheren Absatz und in besserem Fels den ersten Bohrhaken klippen.

Dann darf – wer hätte es geahnt – geklettert werden. Ordentlich henklig aber auch steil und kräftig geht es über ein Schuppensystem empor. Die Kletterei ist unglaublich direkt und verbindet teils wirklich athletische Züge durch den rauen Wettersteinkalk.

Von den rund 30 Metern dieser Seillänge sind nach der Querung ohnehin gar nicht mehr so viele übrig, sodass sich rasch nur noch eine beinahe überhängende, kurze Verschneidung in den Weg stellt, die mich vom Standplatz trennt. Dank dolomitenhafter Henkel auf ihrer Oberseite lässt sich auch diese Stelle unschwer aber kräftig überwinden.

Raphael im Aufschwung der 1. Seillänge

Einen kleinen „Schönheitsfehler“ hat die eigentlich angenehm sanierte Route dann doch: die Standplätze befinden sich stets an einzelnen Ringhaken ~ vom Bautyp DAV-Ring. Im kompakten Fels lässt sich auch kaum Redundanz schaffen. Logisch – sollten schon heben & gelten eigentlich als solider Fixpunkt. Ganz so sorglos baumelt es sich in der steilen Wand aber nicht an den einzelnen Ringen – vor allem wenn man ringsum eigentlich relativ sorglos an einigermaßen dicht platzierten Bohrhaken klettern darf.

2. Seillänge (V+)

Rapha schließt zu mir auf, staunt ebenfalls nicht schlecht über die steile und kräftige Kletterei und hört damit in der folgenden Seillänge auch nicht wirklich auf. Während in meiner 1. Seillänge Schuppen und Leisten überwiegen wird es hier ein wenig bunter und abwechslungsreicher.

Vom Standplatz weg wird links ein steiler und griffiger Riss mit Zangengriff angeklettert – ein Zug ist mir hier erneut als klassisch hart und kraftvoll in Erinnerung geblieben. Ein paar leichtere Meter münden dann in einer rauen Platte, die bei unserer Begehung leider genau in der Linie, die man wohl klettern möchte, nass ist. Zum Glück hat Rapha schon am Vortag bewiesen ein Zauberer im nassen Kalk zu sein und der verwitterte und scharfe Fels lässt sich trotz schwarzer Streifen überraschend gut antreten. Die Kletterei bleibt auch hier sehr ausgesetzt und anhaltend – dass ein paar alte Schlaghaken am Wegesrand liegen nimmt man auch hier dankend zur Kenntnis und die tropfenden Untergriffe am linken Ufer sind auch ein Segen.

Rückblick in die 2. Seillänge

Am Ende der Seillänge wird die Platte erneut durch eine luftige und abdrängende Miniatur-Verschneidung verlassen. Hier fällt der Fels auch erstmals ein wenig glatter aus, sodass für die wenigen Meter zum Standplatz erneut eine gute Portion Kraft und Technik in die Landschaft gepulvert werden darf.

Echt…eindrucksvoll?!

3. Seillänge (V-)

Die dritte Seillänge verspricht auf dem Papier ein bisschen Entspannung ist aber nicht minder schön. Mein Vorstieg führt mich deutlich nach links bis ein Schlaghaken und weiter oben auch ein Bohrhaken einen Weg durch den sperrenden Wulst versprechen. Unten lohnt sich auf jeden Fall eine etwas längere Expressschlinge, damit keine zu strenge Seilreibung entsteht.

Der Aufschwung am Wulst – steil, luftig, ich wiederhole mich – löst sich dann über einen henkligen Block perfekt und griffig auf und führt auf eine plattige Rampe. Mit einem kleinen Schwenk zurück nach rechts wird der Standplatz unter der Schlüsselseillänge erreicht wird. Obacht – hier kommt uns von links der benachbarte Schraubstock (8-) so nahe, dass man schnell mal die Standplätze verwechseln könnte. Auf der anderen Seite – wer braucht schon zwei Haken am Stand 🙂

Pünktlich zu Rapha’s Nachstieg reißt der Nebel mal wieder für einen kurzen Moment ein und offenbart einen mystischen Tiefblick ins Höllental. Eine ernsthaft steile Wand. Ich wiederhole mich immer noch. Vielleicht sind unsere Sinne auch ein bisschen vernebelt – ich hatte auf der Sonnenseite des Höllentorkopfes auf jeden Fall flacheres oder gestufteres Gelände erwartet.

4. Seillänge (VI)

Hui…

Die letzte Seillänge der Pfanzelt-Führe birgt dann schlussendlich auch die Schlüsselstelle der Tour. Der Vorsteiger – in unserem Fall Rapha – ist hier nochmal gefordert. Im wesentlichen werden zwei recht harte Einzelstellen zu Beginn und Ende durch einen langen Abschnitt leichteres Gelände mit sehr weiten Hakenabständen unterbrochen. Am Stil der Kletterei ändert sich wenig – es bleibt berauschend steil, direkt und kräftig.

Direkt vom Standplatz weg möchte ein kniffliges und steiles Wändchen bezwungen werden. Wir klettern das leicht rechts vom Stand über einen etwas splittrigen Vorbau an und queren dann auf Höhe des ersten Bohrhakens kraftvoll und abdrängend nach links. Es kommt schon ein rettender Henkel daher – je nach Kraftausdauer darf der aber fast schon nach Prinzip Hoffnung angeklettert werden. Nach wenigen Zügen erreicht Rapha einen kleinen Absatz, an dem sich das Gelände minimal zurücklehnt und die Absicherung mit Bohrhaken einen kleinen Aussetzer hat.

Rapha zaubert die Crux zam – klettert sich beinahe wilder, als es von unten aussieht.

Der reduzierte Satz Totems, den wir am Gurt haben, hat bisher keine tragende Rolle gehabt. Spätestens jetzt machen sich die Teile aber doch noch ganz gut – Rapha kriegt den beträchtlichen Runout unter der Schlüsselstelle mit einem orangenen und einem lila Totem brauchbar abgesichert.

Und auch wenn das Wändchen zu Beginn der Seillänge bereits ein paar recht knifflige Momente abgeworfen hat – der Höhepunkt in Sachen Schwierigkeiten sind hier die allerletzten Meter zum allerletzten Standplatz. Ein Bohrhaken leistet hier wieder gute Dienste und entschärft einen ehrlich strengen und kräftigen Beinahe-Mantle auf eine leicht überhängende Schuppe mit sehr hohen Tritten. Vielleicht lässt sich die Passage mit Achtsamkeit auch delikater Lösen – für uns wird’s auf jeden Fall ein absolut zorniger Gewaltmove, der sich diesmal auch gar nicht so griffig auflöst. An etwas unübersichtlichen Zangen und Blöcken verlässt Rapha die Wand und wenig später staune auch ich über die harte Kletterei auf den allerletzen Metern.

Direkt am Ausstieg befindet sich – noch unter dem Grasband – ein Block mit einem Ringhaken, welcher als letzter Standplatz genutzt wird.

Gipfelanstieg über Westgrat (II-III)

Hier tun sich prinzipiell zwei Möglichkeiten auf: Abseilen oder zum Gipfel aussteigen. Für uns wird es Letzteres. Möchte man keine weitere Route in der Wand klettern und hat nichts am Wandfuß deponiert, so ist der Ausflug auf und über die oberen Ausläufer des Westgrates ohnehin eine sehr lohnende Kraxel-Verlängerung, die uns auch ziemlich direkt zurück zur Rinderscharte führt.

Die Seile sollten auf jeden Fall am Ausstieg aufgenommen werden. Das steile Schrofen- und Grasband hält viele mobile Blöcke bereit, die auf direktester Bahn in die Wand und darunter liegenden Routen donnern würden.

Die kurze Grasflanke über dem Ausstieg – wir peilen die Rippe an und überklettern sie am niedrigsten Punkt rechts der Bildmitte (I-II)

Wir wechseln auf die Zustiegsschuhe und machen uns auf die Suche nach einem seilfrei gangbaren Weg durch das alpine Allerlei, das sich vor uns aus dem Nebel schält. Den kleinen Felsriegel, der das Grasband nach oben begrenzt überwinden wir direkt über dem Routenausstieg an seiner niedrigsten Stelle und halten uns rückseitig im Gehgelände einer markanten Rinne konsequent nach links.

Die felsige Sperre am Ende der Rinne lässt sich linkerhand über raue und griffige Platten umgehen. Bis hierhin auch alles in nicht ausgesetztem Gelände. Und grundsätzlich – dort wo richtig gekraxelt werden muss ist der Fels ideal rau und henklig. Das Vorankommen, nun ohne die Logistik einer Wechselführung, ist ein purer Genuss und eine tolle Abwechslung zur Pfanzelt-Führe.

Wir geraten auf den Grat, welcher kaum zu Verfehlen ist. Rückseitig – in Richtung Höllentalklamm und Hammersbach – fällt das Gelände ordentlich steil ab. Direkt im weiteren Gratverlauf versperrt ein großer Block ein bisschen den Weg und lässt sich auf den ersten Blick sowohl rechts als auch links überwinden. Ich stehe gerade näher dran und entscheide mich aus dem Kraxeln heraus für die linke Variante, die sich auch gut auflöst. Kaum steht man im leichteren Gelände, sollte man aber den punktuell auch wieder wesentlich brüchigeren Fels im Blick behalten.

Am Westgrat

Wer am Ende dieser Passage vor der Entscheidung steht, das Seil doch wieder auszupacken – schwerer wird es auf der Ideallinie auf jeden Fall nicht mehr. Wir folgen – mal mehr und mal wenig ausgesetzt dem Grat. Er erfordert stets routiniertes und sauberes Steigen im II. bis III. Grad, wirft aber keine anhaltend steilen oder richtig kniffligen Stelle mehr ab. Kleine Wändchen und Aufschwünge wollen noch überwunden werden – oft lassen sich hier aber sehr intuitiv gute Lösungen finden. Und ganz besonders oft haben diese Lösungen eine Tendenz zur linken Seite.

Viel früher als erwartet laufen wir im Dauernebel in das kleine Gipfelkreuz des Höllentorkopfes. Schee! Inklusive Wegfindung hat uns der beschriebene Weiterweg vom Ausstieg zum Gipfelkreuz knappe 20 Minuten gekostet – ein flowiges Finale in Gelände, welches man sonst an den großen Wettersteingraten findet.

Abstieg (I-II)

Nach einer kurzen Rast und einem innerlichen Rückblick auf den lässigen Klettertag (äußerlich beträgt die Sicht weiterhin 10 Meter) brechen wir auf in Richtung Rinderscharte. Dabei lassen wir den eigentlichen Abstieg über eine kurze, überhängende Rinne mit Fixseil rechts liegen und folgen dem ebenfalls mit Fixseilen und Trittstiften entschärften Südostgrat. Dieser wird von den Bergschulen gerne als „Übungsklettersteig“ genutzt und ist wesentlich ausgesetzter und länger als der Normalweg. An dem soliden aber etwas flattrig gespannten Seil muss teilweise doch relativ kühn in die Platte getreten werden, sodass dieser kleine Umweg fast abenteuerlicher daherkommt als der vorherige Ausstieg zum Gipfel über den Westgrat. Am Ende führen aber doch alle Wege in die Rinderscharte, die wir schnell erreichen.

Eigentlich wäre nun Feierabend. Die Alpspitzbahn ist 5 Gehminuten entfernt, der langsam interessante Kaffee ebenfalls. Hätten wir nicht noch eine kleine Bonus-Mission für’s Karma-Konto:

Heutzutage sagt man Sidequest

Die Freundin einer Freundin hat vor zwei Tagen ihr Handy in der Alpspitzferrata verloren. „Verloren“ im Sinne von in eine steile Rinne gen Höllental geworfen. Dass das Gerät aber weiterhin einen Standort sendet, lässt aber hoffen, dass es den Absturz irgendwie überstanden hat und gar nicht so weit abgeschmiert ist. Und da wir nun zufällig eh mit Seilen nebenan sind, steigen wir in der Ferrata bis zur Scharte der lustigen Bergler auf und werfen dort auf Verdacht nochmal unser Seil in Richtung Höllental. Rapha lässt mich ab und tatsächlich finde ich das Gerät rund 40 Meter tiefer in der brüchigen Rinne. Von dem Sturz hat es nur ein paar kleine Schrammen davongetragen und nach einer Nacht im Reis springt es sogar wieder an als wäre nichts gewesen.

Ende gut, alles gut.


Schwierigkeit, Versicherung und Material

Eine wirklich tolle, steile und direkte Kletterei mit überraschend homogenen Schwierigkeiten! Der kompakte Wandteil über dem Vorbau wird stets griffig aber teils durchaus athletisch und kühn überwunden, wobei die Kletterei über Schuppen, Risse, raue Platten und kleine Verschneidungen führt. Für den 6. Grad muss oben raus ganz ordentlich zugelangt werden und auch die Passagen im 5. Grad sind nicht wirklich trivial und eher klassisch geprägt.

Die Route ist ganz gut mit Bohrhaken saniert – dazwischen wurden auch einige Schlaghaken belassen. Die Standplätze sind an einzelnen DAV-Ringen eingerichtet. Friends und Keile können punktuell verwendet werden, sind auf langen Strecken aber erstmal nicht zwingend notwendig. Lediglich in der letzten Seillänge wartet ein deutlicher Runout, der sich mit Friends zwischen #0.75 und #2 ganz gut entschärfen lässt – ich würde auch bei einer erneuten Begehung eine kleine Auswahl an den Gurt hängen.

Ansonsten genügen einige Expressschlingen (ggf. 1-2x verlängerbar für die etwas krumme Linienführung in der 3. Seillänge) und die übliche Kletterausrüstung.

Zusammenfassung

Wirklich beeindruckend steile, raue und griffige Kletterei in dunklem und wasserzerfressenen Wettersteinalk wie man ihn sonst eher aus dem Oberreintal kennt und liebt. Mit Ausstieg über den Westgrat und den Gipfel ergibt sich ein recht komplettes und feines Halbtagesprogramm über dem Höllental – welches trotz Gondelkomfort und Nähe zur Versorgungsstation Alpspix ein kurzweiliges aber alpines Ambiente aufspannt und dabei dem Gewusel an der Alpspitze souverän entgeht.

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